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Erklärung: Dieser Blog dient mir zum Berichten und Schreiben. Ich berichte über mein Leben in Japan und schreibe unter "Virtual Sky" eine Geschichte. Leider ist in Sachen Geschichte noch nicht viel passiert. Die Überschrift des Blogs bezieht sich aber trotzdem auf die Geschichte, nicht auf mein Leben hier. Viel Spaß! Kommentare sind immer erwünscht. =)

1

Nach der Hitze des Tages, war der sanfte Nieselregen eine Wohltat für meine, schon etwas verbrannte, Haut. Doch so wie er angefangen hatte, versiegte er nach einigen Minuten auch wieder und die Wolkendecke bekam sehr schnell wieder ein paar Löcher. Ich setzte mich nun an das breite Ufer des Flusses, der durch unsere Stadt fließt. Das Gras unter meinen Händen hatte diesen typischen Gelbton von vertrockneten Pflanzen in der Sommersonne und doch war es leicht feucht. Es schien als hätten die Erde und die Pflanzen unter der sengenden Hitze geschwitzt, wie ein großes ruhendes Tier. Ich schaute auf den Fluss, der sich ein paar Meter vor mir durch die aufgeheizte Stadt schlängelte. Mit den ersten Strahlen der Abendsonne, die sich nun wieder zeigte, glitzerte das Wasser in warmen Orange- und Gelbtönen und die Temperaturen stiegen in Windeseile wieder an. Trotzdem sie schon tief hing hatte diese leuchtende Gasblase nichts von ihrem gnadenlosen Feuer verloren. Nur das Wasser auf meiner Haut verhinderte, dass ich sofort wieder zu schwitzen begann.

Ich legte mich hin und spürte wie mein Rücken vom Gras nass und angenehm kühl wurde. Eine Weile blieb ich so liegen, schloss die Augen und dachte über unwichtige Dinge nach. Die wichtigen Dinge waren meinem sonnengeplagten Hirn zu viel und ich wusste es würde mir Kopfschmerzen bereiten, jetzt über etwas nachzudenken, dass etwas komplexer war als ein Einkaufszettel oder die Farbe eines T-Shirts, das ich am Vormittag in einem Laden gesehen hatte. Meine Gedanken mögen noch so simpel und mein Kopf noch so langsam gewesen sein, doch ich zuckte sofort zusammen als es neben mir knackte. Ich registrierte ohne hinzuschauen, dass dieses Geräusch den Tod meiner Brille bedeutete, die ich zuvor abgenommen und neben mein Gesicht gelegt hatte. Dem Knacken folgten ein überraschtes, hohes Kreischen und ein ebenfalls in einem sehr hohen Ton gesprochenes:

„OH nein!“, danach schien die Stimme wieder in ihre gewohnte Tonlage zurückzukehren und sprach: „Das tut mir leid, ich hab´ deine Brille nicht gesehen.“ Ich öffnete die Augen. Die nun angenehm klingende, sanfte Stimme gehörte zu einem brünetten, Mädchen mit langen glatten Haaren, deren Gesicht ich verkehrt herum sah, da sie sich von hinten über mich gebeugt hatte. Ich blieb liegen und schaute sie einen Moment lang an. Meine Augen brauchten diese Zeit um sich an das Gegenlicht zu gewöhnen. Ihre Haut war leicht gerötet und hunderte von kleinen Sommersprossen besiedelten ihre Nase und ihre hohen Wangen. Die Spitzen ihrer langen Haare strichen leicht über meine Stirn.

„Die ist versichert, keine Sorge.“, antwortete ich knapp. Sie schien mit einer kleinen Gruppe unterwegs gewesen zu sein, die ich aus dem Augenwinkel jedoch nicht sehen konnte, denn nun rief sie in eine Richtung:

„Geht schon mal vor! Ich komm dann nach.“ Ich hörte wie das Stimmengewirr links von mir langsam leiser wurde und davonzog. Nun setzte sie sich neben mich, wobei die darauf achtete meine Brille nicht noch mehr in Mitleidenschaft zu ziehen.

„Wie alt bist du?“, fragte ich die junge Frau.

„19. Ist das die erste Frage die du allen Menschen stellst, wenn du jemanden neu kennen lernst?“ Ein gespielter Ton von Beleidigung schwang in der Frage mit.

„Wegen der Versicherung.“, machte ich ihr klar.

„Achso…“, seufzte sie und wippte nun mit angezogenen Beinen spielerisch vor und zurück, während sie auf das Wasser schaute. Immer mehr wurde ich von dem Gefühl übermannt, das ich eigentlich allein sein wollte. Meine Brille war kaputt. Ich war aufgeschmissen. Konnte nur noch ein paar Zentimeter scharf sehen. Wurde gezwungen meine Lippen, die wie der Rest meines Körpers von einem langen, stressigen Tag sehr müde waren, zu bewegen und ihr zu antworten. Ein paar Minuten lang sagte sie nichts und ich schloss wieder die Augen.

„War die Brille sehr teuer?“, fragte sie dann, um die Stille aufzulösen, die ihr wie es schien sehr unangenehm war, im Gegensatz zu meinem Empfinden.

„Wie gesagt, sie ist versichert. Es ist also egal wie viel sie gekostet hat.“ Erst jetzt schien ihr aufzufallen wie überflüssig ihre Frage gewesen war, denn sie schaute mich entschuldigend an. Doch sogleich setzte sie zu einer neuen Frage an:

„Wie lange dauert es, bis sie wieder repariert ist?“ Ich richtete mich auf und schaute sie etwas verärgert an.

„Was ist das hier? Eine Quizshow? Ich hoffe doch der Gewinner bekommt eine neue Brille.“, fauchte ich, bösartiger als ich es eigentlich beabsichtigt hatte. Doch sie lachte nur mit vorgehaltener Hand, wie eine Dame. Resigniert seufzte ich und antwortete dann erschöpft:

„…so zirka ´ne Woche, denke ich.“

„Wie viel kannst du ohne Brille sehen?“, fragte sie.

„Einen Meter scharf, dann wird’s verschwommen.“ Ich gab auf und antwortete ihr nur noch.

„Hast du sie zu Hause auch auf?“

„Ja, immer. Ohne das Ding fühle ich mich unsicher.“

„Es tut mir echt leid.“, entschuldigte sie sich abermals. „Kann ich das irgendwie wieder gut machen, auch wenn du dein Geld wieder bekommst?“ Einen kurzen Moment überlegte ich, ob ich jetzt eine böse Bemerkung fallen lassen sollte, doch ich antwortete nur:

„Ich brauche nichts…“ Sie war echt hartnäckig. Was wollte sie nur von mir? Warum hatte sie sich von ihren Freunden getrennt und war neben mir sitzen geblieben? Aus Mitleid? Sofort kam ich mir etwas beleidigt vor. Ich mochte zwar allein da gelegen haben, aber ich war noch längst nicht einsam. Sie gab wieder eine Weile Ruhe und holte tief Luft, als bräuchte sie soviel Kraft wie möglich für die folgenden Worte.

„Du kannst sie auch sehen, oder?“ Sie schaute in den Himmel. Sie vermied es mich dabei anzusehen, als würde sie etwas Verbotenes aussprechen. Ich verstand nicht auf Anhieb, was sie damit meinte und schaute sie fragend an, doch sie hatte den Blick starr in die Wolken gerichtet. Mein Hirn schien kurz zusammen zu zucken, als ich endlich begriff, was sie gemeint hatte. Ich fuhr mir mit einer Hand durch die Haare und setzte mich auf.

„Ja…“, hauchte ich kraftlos. Als hätte sie durch meine Antwort wieder Energie bekommen sprach sie weiter.

„Ich hab es gleich gemerkt. Sie meiden jeden, der die Gabe besitzt sie zu sehen.“ Skurrilerweise lächelte sie wieder.

Die Wesen, von denen sie sprach, waren Monster aus einer anderen Welt, zu der nur ein paar Menschen eine Verbindung hatten. Dass wir sie auch in der irdischen Welt sahen, lag am fortschreiten der „Krankheit“. Wir nannten es immer so, da wir nicht wussten, wie die Verbindung zustande kam. Je stärker man betroffen war, desto öfter sah man die Monster auch hier und wurde von ihnen in die andere Welt gezogen.

„Bist du auch hierher gekommen, weil du sie heute gespürt hast?“, fragte die junge Frau, die mich nun mit größtem Interesse anschaute. Wieso spricht sie nur so rätselhaft? Vielleicht ist sie noch nicht lange infiziert…, dachte ich kurz ehe ich antwortete.

„Ja, ein Drache oder irgendein anderes fliegendes Monster muss es sein.“ Ich schaute nun kurz über den Fluss. Ich hasste es, wenn die Leute über unsere Welt sprachen, als wäre sie etwas Mystisches oder Verzaubertes, denn das war sie nicht. Sie hatte einen Zauber an sich, aber das war nichts Magisches, sondern eher die Neugier eines jeden, der so etwas erfährt. Sie schien etwas erstaunt.

„Hast du es denn heute schon mal gesehen?“ Ich seufzte nun hörbar genervt. Dieses sich in die Länge ziehende Frage-Antwort-Spiel raubte mir den letzten Nerv.

„Ja, heute Mittag.“ Wenige Sekunden, nach dem ich dies gesagt hatte, spürte ich kaltes Metall an meinen Handflächen. Ich konnte meine Waffen spüren, ein klares Indiz dafür, dass der Kampf gleich losgehen würde.

„Wenn du Anfänger bist solltest du dich verziehen. Wir bekommen gleich Besuch.“, knurrte ich. Sofort stand sie auf ihren Füßen und machte sich bereit. Der Körperhaltung nach war sie Bogenschütze, den linken Arm nach vorn gestreckt, den anderen angewinkelt, so dass sie die rechte Hand neben ihr Gesicht hielt. Ein Schütze ohne Bogen.

Ich rappelte mich auf und stellte mich bequem hin. Die Füße schulterbreit auseinander und die Knie locker. Meine Arme hingen schlaff an mir herab und das Gewicht in meinen Händen nahm zu, langsam konnte ich meine zwei runden Klingen sehen. Sie sahen aus wie zwei Sonnenscheiben, wobei die kunstvoll geschwungenen Strahlen, scharfe Klingen waren. Jeweils in der Mitte der Sonnen, war eine Querstrebe, die ich mit einer Hand umschloss. Der Arm lag dabei sicher in einer Wölbung, die nicht geschliffen war. Trotzdem trug ich bis zum Ellenbogen, sehr robuste Handschuhe, aus einer Metallfaser. Da ich zu dieser Zeit noch einer Schutzeinheit dieser anderen Welt angehörte trug ich deren Uniform. Die Brünette, trug nun leichte Sachen – ein Top und Kniebundhose. Dieser Anblick, entlockte mir ein schmales Grinsen, gleichzeitig jedoch machte ich mir Sorgen, denn diese Aufmachung bewies, dass sie noch eine unerfahrene Kämpferin war. Langsam nahm auch unser Gegner Gestalt an. Über dem Fluss erschien ein rot-goldener Drache, nicht sehr groß, dennoch für mich ein gefährlicher Gegner. Ich war Nahkämpfer und auf das Mädchen neben mir konnte ich mich nicht verlassen. Noch erschwerend hinzu kam, dass ich kein einziges Detail des Drachen erkennen konnte, da mein Brille fehlte. Die einzige Möglichkeit bestand darin, in die andere Welt zu wechseln und auf Hilfe zu hoffen. Doch das klingt einfacher als es war, denn die Grenze zwischen den beiden Welten, war manchmal einem dünnen Blatt Papier gleich, ab und zu jedoch auch stark wie meterdicker Beton. Ich konzentrierte mich auf alles was ich aus der anderen Welt schon spürte und schob andere Eindrücke in die hinterste Ecke meines Gehirns. Mit einer Art Tunnelblick schaute ich den Drachen an, nur ihn. Meine Sicht wurde schärfer, gut. Seine Schuppen glänzten Kupferfarben in der Sonne und spiegelten sich wahrscheinlich im Wasser. Die Zähne ragten ihm weit aus dem Maul und schienen aus purem Gold, ebenso seine Augen. Verschwommen um ihn herum, bemerkte ich wie die Welt sich veränderte. Sie schien wegzuschmelzen, wie eine Eiskugel, die ein Kind auf die Straße versehentlich fallen gelassen hatte. Langsam sackten die Formen und Farben in sich zusammen und eine neue Kulisse wuchs. Ein riesiges Feld, so weit das Auge reichte, grüne Wiese, bis zum Horizont auf dessen Höhe sich ein Gebirge erhob. Der Wind wehte hier heftig und peitschte die langen Grashalme zu Boden. Mein Blick fiel wieder auf die Bogenschützin. Ich musterte sie noch einmal, als schien ich zu hoffen, dass sie nun geeignetere Kleidung an hätte, die auf ein vorhandenes Können hinwies, doch nichts. Immer noch trug sie nur ein Top und eine Kniebundhose, doch der Bogen und der Pfeilköcher waren hinzugekommen. Der Bogen sah mit seinen reichen und detaillierten Verziehrungen sehr teuer aus und der Köcher ebenfalls. Ihre Ausrüstung stand im totalen Kontrast zu ihren Sachen die sie trug. Sie schaute ebenfalls zu mir, aber eher nur in meine Richtung, sie schien mich zu suchen. Doch dann visierte sie mich an. Sie konnte mich sehen. So schnell ist sie mir gefolgt? Auf mich machte sie den Eindruck eines Anfängers, doch das konnte nicht stimmen. Sie wechselte problemlos mir nach. Ein lautes Fauchen des Drachen, lenkte meine Aufmerksamkeit wieder nach vorn. Er flatterte bedrohlich mit den Flügeln und warf den Kopf nach hinten.

„Kommst du damit klar?“, fragte ich und bereute, dass ich vorher so eine große Klappe hatte.

„Ich denke schon.“, antwortete sie gepresst, denn sie schien sich sehr zu konzentrieren. Der Drache fauchte abermals und flog auf uns zu. Komm mach was! Schieß! Ich hätte diese Worte am liebsten gebrüllt, aber ich behielt sie für mich. Kurz bevor der Drache uns erreichte und angreifen konnte, sah ich wie sie die rechte Hand lockerte, die Sehne zwischen ihren Finger wegrutsche und der Pfeil nach vorn zischte. Sie traf ihn direkt in die Brust. Das war gut, sollte er verletzt sein würde er landen und ich könnte mich um ihn kümmern, dachte ich. Doch dem war nicht so. Der Pfeil durchschlug seine Brust komplett und im nächsten Moment war er verschwunden. Erstaunt und wortlos stand ich da und fixierte den Punkt, an dem soeben noch der Drache war. Ich schüttelte den Kopf und schaute wieder hin, als hätte ich eine Fata Morgana aus meinem Kopf vertreiben wollen, doch er kam nicht wieder. Mein nächster klarer Blick galt ihr. Sie stand, da wie zuvor, als würde sich immer noch anvisieren und der Pfeil wäre ohne es ihr zu sagen, losgeflogen. Doch nach einer Weile ließ sie den Bogen sinken und auch dieser verschwand. Sie blickte mich entschuldigend an, als hätte sie gerade eine meiner Tassen aus meinem Küchenschrank zerbrochen. Ich steckte meine zwei Klingen, in die Gürteltasche am Rücken und ging auf sie zu.

„Hättest du mir nicht sagen können, dass du so etwas draufhast?“ Sie antwortete nicht sondern lächelte weiter schuldbewusst.

„Ich nehme an du bist stärker als ich und bist schon länger hier, also was soll das geheimnisvolle Gerede von eben?“ Jetzt öffnete sie den Mund, aber antwortete wieder nicht gleich.

„Nichts, das ist meine Art zu sprechen und das ich eine Anfängerin sei, habe ich nie gesagt, oder?“, zischte sie aufgebracht. Schon damals kam ich zu dem Schluss man solle sie nicht reizen, denn sie verfiel schnell in eine Art Arroganz, wenn man sie in Frage stellte.